Tour 1030 – Österreich – Großarl – Über Draugstein und Loosbühel

An die Grenzen eines Niederrheiners

Parkplatz Österreich, 5611 Großarl, Großarl 67. (Bitte auch in die Karte schauen)
Es gibt Parkplätze am Straßenrand und auf einem nachfolgenden Wanderparkplatz.
Typ Rund
Länge 13,2 km
Schwierigkeit Anstrengend, alpine Vorkenntnisse ratsam, Schwindelfreiheit ist Pflicht.
Höhenmeter ca. 1340m
Literatur Gasteinertal – Großarltal, Raurisertal, Nationalpark Hohe Tauern. 58 Touren (Rother Wanderführer). Wanderroute 7 – Rot
Auf Karte Keine Angabe
Beschilderung Österreichische Wanderbeschilderung.
Wegbeschaffenheit  Schotter, Wiesenpfad, Felsen, naturbelassene Bergwege.
Bemerkenswertes Filzmoosalm, Filzmoossattel, Loosbühelalm, die Aussichten und vieles mehr
Links Filzmoosalm, Loosbühelalm, Draugstein,
Bewertung

 ★★★★★ 

Details:

Der Draugstein – oben links ist das Ziel

Wenn ich am Niederrhein eines vermisse, dann sind es Berge. So zieht es mich also einmal im Jahr nach Österreich ins Salzburger Land. Und gegen Ende des dortigen Aufenthalts gibt es für mich eine Bergtour. Dieses Jahr ging es auf den „Draugstein“. Von meinem persönlichen Lieblingshotel, dem „Embacher Sporthotel“ in Embach, erreiche ich nach etwa einer dreiviertel Stunde den Wanderparkplatz. Das Wetter ist noch grau und diesig. Die Wettervorhersage verspricht aber Sonne. Schuhe schnüren, Rucksack auf und los gehts – in die verkehrte Richtung. Ein Blick in den „Rother Wanderführer“ hilft hier nicht. Irgendwas stimmt nicht. OK. Wer sein Auto mangels Platz am Straßenrand parken muss – so wie ich – der sollte nicht am eigentlichen Parkplatz vorbei, sondern unmittelbar über diesen hinweg, starten. Dann geht es nämlich auch durch das Tor des „Salzburger Almenweg“. Die Richtung stimmt nun und es geht bergauf. Das wird sich auch so bald nicht mehr ändern. Oberhalb des „Filzmoosbach“ gewinne ich auf einem wurzeligen Weg schnell an Höhe. Es wird warm. Das hat nicht nur mit dem Aufstieg zu tun. Die Sonne bekommt langsam aber sicher Oberhand über den diesigen Nebel. Immer wieder gilt es kleine Bachläufe zu queren. Auch die „Schneibensteinquelle“ wird passiert. Alles Wasser mündet im nahe gurgelnden „Filzmoosbach“. Vor der „Filzmoosalm“, Ziel meiner ersten Pause, durchquere ich ein weiteres Quellgebiet. Diesmal ist es keine einzelne sprudelnde Quelle, sondern ein Boden vollgesogen mit Wasser. Eine Reihe von Keramikfröschen machen hier als Installation auf die Bedeutung solcher Gebiete aufmerksam. Dann gibt es meine erste Pause. Ich kehre nicht ein, sondern Suche mir hier auf gut 1700 Metern, einen Baumstamm in der nun sonnigen Umgebung. Danach geht es weiter bergauf. Die Landschaft wird weiter, die Vegetation dünner. Ein tief eingeschnittener Bachlauf wird gekreuzt und immer wieder fällt der Blick auf den Gipfel des „Draugstein“. Über grüne Wiesen erreiche ich den „Filzmoossattel“ auf über 2000 Metern. Von nun an wird es richtig steil und felsig. Der Aufstieg ist für mich als Niederrheiner, der 50 Wochen im Jahr bei 20 Meter über Normal Null lebt, wirklich anstrengend. Immer wieder muss ich Pausen einlegen. Die Zweifel, ob ich den Aufstieg schaffe begleiten mich schon seit der „Filzmoosalm“. Immer wieder zog ich in Erwägung am Sattel abzubiegen und den Gipfel auszulassen. Doch manchmal bringen einen auch Pausen an das Ziel. Langsam, aber mittlerweile voller Vorfreude auf den Gipfel, steige ich an. Über den schottrigen Grat, großen Felsabschnitten, teils mit Seilen versehen geht es immer weiter aufwärts. Eine letzte Hürde noch. Am Seil geht es knapp anderthalb Meter von einer Steilwand entfernt über ein abschüssiges, moosiges Felsstück. Auf dem Hinweg habe ich großen Respekt vor dieser Stelle, zurück nehme ich kaum noch Kenntnis von ihr. Und dann steh ich auf dem Gipfel. Es ist für mich immer wieder faszinierend und berührend. Es gibt hier nichts mehr, was über mir ist. Einzig Himmel. Die Welt liegt mir buchstäblich zu Füßen und ich habe mein Ziel erreicht.

Gipfelkreuz und Rundumblickvideo

Draugstein
2358m

Dieses Gipfelkreuz
mit seinen vielen Elementen
steht für Zusammenhalt
Friede und Freiheit
für unser schönes Heimatland
und weit über alle
Grenzen hinaus.
Die Soldaten aus St.Johann/Pg
August 2015 I.H.

(Quelle: Schild am Gipfelkreuz)

Hier geht es zum Video nach YouTube: Grandioser Ausblick

Na ja, fast. Denn noch bin ich nicht wieder unten. Aber in diesem Augenblick ist mir das vollkommen egal. Ich genieße es hier oben zu sitzen, zu schauen und zu sinnieren. Doch irgendwann ist die Zeit zum Aufbruch gekommen. Mit frischen Kräften ist der Abstieg zum „Filzmoossattel“ einfacher als ich es befürchtet habe. Die nächsten zwei Kilometer geht es prinzipiell bergab. Allerdings steckt mir der Aufstieg tatsächlich noch in den Knochen. Ich mache langsam und genieße den Weg, der sich am Fuße des „Draugsteins“ in ein kleines Tal windet. Dann gilt es sich noch einmal zu fordern. Kräftig bergauf geht es auf den „Loosbühel“. Ich lasse ein junges Schweizer Paar vorbei, das mit ihrem Kleinkind im Rucksack unterwegs ist. Wir kommen kurz ins Gespräch und treffen uns wenig später noch einmal, um eine Reihe von Kühen zu passieren. Auf diese treffen wir beim Abstieg zur „Loosbühelalm“. Das Paar ist deutlich vorsichtiger als ich, weshalb ich sie wieder einhole. Sie erzählen mir, wie sie von am Tag zuvor von einem Jungbullen angegangen wurden. In eine solche Situation bin ich all die Jahre nicht geraten. Zum Glück! Ich lasse außer meinen gesunden Menschenverstand keine weiteren Vorsichtsmaßnahmen walten. Die drei umkurven die Kühe mit großem Sicherheitsabstand und sind trotzdem deutlich schneller als ich an der „Loosbühelalm“. Hier kehre ich diesmal ein. Der steile Abstieg macht die Beine zittrig und ich freue mich darüber einige Minuten gemütlich sitzen zu können. Beim Kellner erkundige ich mich nach dem weiteren Weg hinab zum Ausgangspunkt meiner Wanderung. Den breiten Fahrweg möchte ich nämlich nicht nehmen und der Wanderführer ist an dieser Stelle nicht sonderlich auskunftsfreudig. Unmittelbar hinter dem Ausgang der Außengastronomie geht es entlang des Zauns nach rechts hinunter über ein Rinnsal und weiter abwärts. Der kleine Zulauf mündet in den „Ellmaubach“ der den Abstieg nun eine ganze Weile zur Rechten in der Ferne begleitet. Ich bin wieder unterhalb der Baumgrenze und der Weg führt mich durch schattigen Wald. Dort wo dieser endet, tritt man schließlich einen der typischen Fahrwege in den Bergen. Ich wende mich nach rechts und erreiche über Serpentinen schließlich mein Auto.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.