Nun bin ich ein Mammut – Mammutmarsch NRW 2017

Den Mammutmarsch bezwungen

So sehen Sieger aus beim Mammutmarsch

So sehen Sieger aus

Am 9. September 2017 geschahen zwei Dinge gleichzeitig. Zum einen fiel der Startschuss zum Mammutmarsch in Wuppertal, zum anderen begann auch die Aktion „Bewegen Hilft!“. Ich ging bei beiden an den Start. Aus einer Laune heraus meldeten wir, Detlef Weiler, Freund und Nachbar sowie ich mich beim Mammutmarsch NRW an. Es galt die eigenen Grenzen zu finden und zu verschieben. Für mich ergab sich zusätzlich die Chance, diese Leistung für „Bewegen Hilft!“ in Spenden umzuwandeln. Es ist das vierte Jahr, in dem ich mit diesem Blog an der Charityaktion teilnehme. So hart wie dieses Jahr war allerdings keine der bisherigen Herausforderungen.

Mammutmarsch

Finisher beim Mammutmarsch

Finisher

Der Mammutmarsch hat eine Länge von 100 Kilometern. Diese sind binnen 24 Stunden zu erwandern. In diesem Jahr kam er zurück zum Anfang seiner Geschichte in Wuppertal. Damals testeten Freunde, wie weit sie gehen konnten. Und das war weit. Für das diesjährige Organisationsteam war es die erste Veranstaltung solcher Art. Und die Arbeit konnte sich sehen lassen. Einzig das Wetter spielte nicht so ganz mit. Die 100 Kilometer führten grob über 1500 Höhenmeter von Wuppertal über Gevelsberg, Herdecke, Wetter, Witten, Hattingen und Langenberg zurück nach Wuppertal. Von den rund 950 Angemeldeten machten sich schließlich 803 auf den Weg. Das Wetter scheint schon vor dem Start einigen zu schaffen gemacht zu haben. Im Ziel kommen schließlich noch 157 Wanderer an. Darunter mein Mitwanderer und ich. Dazwischen lagen Glück und Leid teils dicht beieinander.

Bewegen Hilft!

„Bewegen hilft“ ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, den Spaß am Sport und der eigenen Bewegung mit dem konkreten sozialen Engagement am Niederrhein zu verbinden.

Seit 2013 bewegt der Gründer Guido Lohmann gemeinsam mit vielen Politikern, Vereinen und Bürgern im Spätsommer jeweils vier Wochen lang den Niederrhein – mehr als 200.000 Euro kamen bereits für die Unterstützung der Arbeit von über 30 sozialen Einrichtungen zusammen!

Auf gehts

Regen am Start des Mammutmarsch

Regen am Start

Pünktlich zum Start beginnt es zu regnen. Der Poncho, den ich mir zwei Tage zuvor gekauft habe, erweist sich als gelungene Investition. Mit dem loswandern unserer Startgruppe scheint allerdings wieder die Sonne. Nach einem kurzen Stück durch die Stadt nehmen wir die Erzbahntrasse unter die Turnschuhe. Ja, Turnschuhe. Diese erwiesen sich bei Probewanderungen als beste Wahl. Allerdings führten diese Probewanderungen nur über maximal 53 Kilometer. Später ist man immer schlauer. Auch dieses mal. Im Tunnel der Erzbahntrasse überschreiten wir die Grenze von vom Rheinland nach Westfalen.

Grenzgänger auf dem Mammutmarsch

Grenzgänger

Bis hierhin ist alles gut. Schnell ist die erste Verpflegungsstation bei Kilometer 18 erreicht. Wir treffen Jeannette alias Wanderscha wieder, mit der ich schon vor dem Start einige Worte wechseln konnte. Auch Ihr geht es gut. Wir kramen die Kopflampen heraus. Bald sollte es dunkel werden. Hinter Volmarstein war es dann auch so weit: Kopflampen einschalten. Das Wandern in der Nacht geht besser als erwartet. Bei Kilometer 38 dann der zweite Verpflegungspunkt. Zahlreiche Helfer wuseln um uns herum. Bänke laden zur Ruhe und zur Verpflegung der ersten kleinen Blasen ein. Die Stimmung ist gut. Das Licht unter dem Viadukt über der Ruhr bei Herdecke atemberaubend. Diese Pause war etwas länger als der erste kurze Stopp. Es geht weiter. Recht flach beginnt diese Etappe entlang des

Wandern im Dunkeln auf dem Mammutmarsch

Wandern im Dunkeln

Harkortsees. Kein Zeichen davon das diese Etappe die Anstrengendste wird. Es geht bergauf. Es geht in den Wald. Es geht über Trampelpfade. Nasse, matschige Trampelpfade. Und diese Etappe ist lang. 24 Kilometer lang. Die Königsetappe. Bei Kilometer 50 bricht kurz Jubel über das Erreichte aus. Es dauert aber nicht lange bis der Gedanke daran, dass man das Gleiche noch einmal leisten muss, Raum greift. Es ist schwer die Konzentration zu bewahren. Einige Male rutscht man aus, andere stürzen sogar. Hin und wieder verläuft man sich. Manchmal hört man ein leises Fluchen. Dann stellt man fest, dass man es selbst war, der da fluchte. Am Kemnader See erreichen wir dann endlich die Versorgungsstation drei. Es sind schon deutlich weniger Wanderer hier als noch an Station zwei. Eine ganze Reihe scheint aufgegeben zu haben. Weitere Blasen werden versorgt. Die Stimmung ist eher leise, bis eine Mitwanderin jubelnd ruft: „Mein Mann hatte unrecht. Er hat gesagt, ich würde niemals über 60 Kilometer schaffen“. Der Versorgungspunkt liegt bei 62 Kilometern. Es wird herzhaft gelacht. Wenn auch nur kurz. Weiter geht es. Aber langsam. Wieder in den Schritt zu kommen fällt schwer. 5 km/h hatten wir uns als Schnitt vorgenommen. Der war in der Nacht im Wald nicht zu halten. Umso wichtiger das wir auf dem kommenden ebenen Stück wieder Gas geben.

Sonnenaufgang an der Ruhr entlang vom Mammutmarsch

Sonnenaufgang an der Ruhr

Hinter dem Naturschutzgebiet „Kemnader Feld“ ist es aber Schluss mit „eben“. Aus dem Ruhrtal geht es hoch zum Katzenstein und wenig später wieder hinunter zur Ruhrschleife. Und hier wird mir zu ersten Mal gewahr, wie schwer ich nur noch abwärts laufen kann. Ich bleibe hinter den anderen angehenden Mammuts zurück. Die Füße schmerzen. Zum Glück führt der Weg zunächst einmal flach weiter. Grobes Kopfsteinpflaster wird aber schon zur Tortur. Später geht es ein weiteres Mal steil bergan. Nichts was man nach über 75 Kilometern brauchen kann. Über den Isenberg geht es bald wieder (sehr langsam) hinunter nach Velbert-Nierenhof. Hier liegt nach 82 Kilometern der vierte und letzte Versorgungspunkt. Kurzfristig trennen sich hier die Wege meines Mitwanderers Detlef und mir.

Geschafft. Wir und den Mammutmarsch.

Geschafft. Wir und den Mammutmarsch.

Ich habe Sorge das noch weitere Abstiege kommen. Auf denen bin ich mittlerweile so langsam, dass ich angst habe mit der Zeit nicht auszukommen. Es dauert nicht lange und Detlef stößt nach seinem Besuch des Versorgungspunkts wieder zu mir und wir wandern gemeinsam die letzten gut 15 Kilometer. Abwärts wandert er mir davon, aufwärts hole ich ihn wieder ein. Wir nähern uns Wuppertal. Der Asphaltanteil steigt ebenso wie das Tempo. „Wenn das Pferd den Stall riecht“ höre ich meinen Wanderfreund sagen. Bald sind wir zurück auf der Erzbahntrasse. Wir sehen den Startbahnhof und die Zielflagge. Vom Organisationsteam gefeiert und herzlich von schon eingetroffenen Wanderern empfangen trudeln wir glückselig über die Ziellinie.

Fazit

Wir haben unser Grenzen gesucht. Wir haben sie gefunden. Wir haben sie verschoben. Und doch hat das alles nicht gereicht. Wir mussten sie auch überschreiten. Und das ist kein Gefühl der Glückseligkeit. Auf der falschen Seite der Grenze liegen Schmerz, Angst und Irrationalität, Selbstüberschätzung und Selbstmitleid. Es hört dort auf Spaß zu machen oder Freude zu empfinden. Es ist der Wille der einen dort vorantreibt, der Ehrgeiz sein Ziel zu erreichen. Zum Glück dauerte dieser Zustand nur kurz an. Je näher das Ziel rückte umso größer wurde auch wieder die Freude am erreichten, traten die schmerzenden Füße in den Hintergrund und wurde der Stolz über die eigen Leistung plötzlich riesengroß.

Und was hat es gebracht?

Für mich die Erkenntnis das ich Dinge schaffen kann die alle anderen für verrückt halten. Ich selber vielleicht auch. Für „Bewegen Hilft!“ kam durch die Spender und Sponsoren sowie meine eigene Spende, 1200 € zusammen. Eine Riesensumme in meinen Augen. Vielen Dank dafür an:

Monika Lohmann von der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsakademie, Elke Bitzer von Fotografische Reisen und Wanderungen, Heike Tharun von Heimatwandern, Eva und Karoline von Waalheimat, Volker Windheuser vom Haus am Raßberg, Andrea Zander, Mitwanderer, Motivator und ebenfalls Spender Detlef Weiler und natürlich auch an mich.

Heike Tharun hat mich eine Woche nach dem #Mammutmarsch im Rahmen einer Bloggerwanderung interviewt. Das Ergebnis, und sie hat mich ganz schön zum erzählen gebracht, könnt ihr hier lesen: „Irgendwas Beklopptes“.

Die Rheinische Post hat in der Lokalpresse von unserem Mammutmarsch in Verbindung mit
„Bewegen Hilft!“ berichtet

Beitrag der Rheinischen Post zum Mammutmarsch


Download

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: